Jens Torsten Jacob
Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

ein neues Jahr hat begonnen – und mit ihm die Chance, gemeinsam an der Zukunft unseres Handwerks im Landkreis Meißen zu arbeiten. Der Neujahrsempfang im Meißner Burgkeller zeigte eindrucksvoll die Lebendigkeit, das Engagement und die Widerstandsfähigkeit unserer Gemeinschaft. Trotz Schnee und Sturm war der Saal gefüllt mit Menschen, die das regionale Handwerk tragen und weiterentwickeln wollen.

Ein besonderer Akzent war der Appell von Sachsens Kultusminister Conrad Clemens, der die Bedeutung hochwertiger Bildung und Ausbildung für die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks hervorhob. Gerade im ländlichen Raum entscheidet der Zugang zu Wissen darüber, ob Betriebe wachsen, Innovationen entstehen und junge Menschen ihren Weg ins Handwerk finden. Sein Dank galt allen, die sich in Berufsorientierung, Schulen, Betrieben und Politik engagieren. Positiv aufgenommen wurde seine zugesagte Unterstützung für die Fortführung unserer offenen Werkstatt zur handwerklichen Berufsorientierung.

Fachkräftesicherung, starke Ausbildung, Innovationskraft und ein verlässlicher Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Bildung bleiben auch 2026 zentrale Schwerpunkte. Umso bedauerlicher ist es, dass unsere Bedenken zur Einführung eines gesetzlichen Bildungsurlaubs in Sachsen ungehört blieben. Die Entscheidung wirkt wie eine politische Maßnahme, die an der Realität vieler Handwerksbetriebe vorbeigeht. In einer Phase enormen Drucks setzt die Landespolitik damit ein falsches Signal.

Unsere Betriebe kämpfen seit Jahren mit Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsender Bürokratie. Jeder zusätzliche Ausfall eines Mitarbeiters bedeutet für kleine Betriebe: Aufträge verschieben, Kunden vertrösten, Abläufe neu organisieren. Besonders problematisch ist, dass Bildungsurlaub nicht zwingend beruflich relevant sein muss – Lohnkosten entstehen also auch für Weiterbildungen ohne betrieblichen Nutzen. Für große Unternehmen mag das verkraftbar sein, für kleine Betriebe ist es ein Wettbewerbsnachteil.

Sachsen hatte bewusst keinen Bildungsurlaub – aus Rücksicht auf die Wirtschaft. Die nun getroffene Entscheidung würdigt die Belastungen der Betriebe nicht ausreichend und schafft Distanz zur wirtschaftlichen Praxis. Statt neuer Pflichten braucht das Handwerk echte Entlastung: weniger Bürokratie, mehr Unterstützung bei Ausbildung und Fachkräftegewinnung, verlässliche Rahmenbedingungen. Daran erinnerten bereits die gemeinsamen Forderungen der fünf ostsächsischen Kreishandwerkerschaften vor den Wahlen 2024.

Wir brauchen weiterhin eine Politik, die die Bedeutung des Handwerks anerkennt und stärkt. Verlässliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Infrastruktur im ländlichen Raum, Strategien zur Fachkräftesicherung und ein konsequenter Bürokratieabbau sind unverzichtbar. Symbolpolitik und neue Pflichten helfen niemandem. Wer das Rückgrat der regionalen Wirtschaft erhalten will, muss uns, also auch das regionale Handwerk ernst nehmen.

Trotz allem blicken wir zuversichtlich nach vorn. Wir übernehmen weiterhin Verantwortung als Arbeitgeber, bilden aus, investieren in unsere Region und stehen für Verlässlichkeit, Qualität und Zusammenhalt. Dafür brauchen wir eine Politik, die uns nicht ausbremst.

2026 wird ein Jahr des Anpackens – mit neuen Ideen, Mut zur Veränderung und der Kraft unserer Gemeinschaft. Das Handwerk hat viele Herausforderungen gemeistert und wird auch diese Zeit mit Entschlossenheit gestalten.

Mit handwerklichen Grüßen
Jens­ Torsten Jacob
Geschäftsführer