Für den 9. Januar 2026 hatte Kreishandwerksmeister Peter Liebe zum Neujahrsempfang in den Burgkeller Meißen eingeladen. Gemeinsam mit den Vertretern aus den Innungen, der Wirtschaft und Bildung sowie Politik wolle man einen Blick auf das werfen, was das Handwerk in der Region in den kommenden Monaten bewegen wird.

Nach der offiziellen Begrüßung der Anwesenden durch den Kreishandwerksmeister entzündete der Obermeister der Dachdeckerinnung Meißen-Riesa-Großenhain Roberto Heilscher innerhalb des traditionellen Zeremoniells die Kerze und öffnete die Zunftlade. Ab diesem Zeitpunkt gelten andere Regeln – u. a. darf nicht gelogen werden. In einer kurzen Einleitung zum Bevorstehenden umriss Peter Liebe kurz die Perspektiven des Handwerks sowie das, was die Betriebe der Region aktuell bewegt.

Handwerkerwort

Andreas Köhler von der Köhler GmbH Elektrotechnik – Industriedienstleistungen leitet seit einiger Zeit innerhalb der Elektro-AG Jugendliche in der Offenen Werkstatt in diesem Bereich an, um geeigneten Nachwuchs für das Handwerk zu begeistern und im besten Falle für eine Ausbildung in diesem zu gewinnen. Die Jugendlichen können sich daneben in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften ausprobieren, beispielsweise in den Bereichen Bau, Holz, Metall oder Kfz. „Und genau hier beginnt unsere Aufgabe. Wir zeigen den Mädchen und Jungen, dass das Handwerk nicht zweite Wahl ist, sondern ein Weg voller Chancen, Kreativität und Stabilität,“ so Köhler. Die Offene Werkstatt in Riesa ist dafür ein herausragendes Beispiel. Sie ist ein Begegnungs- und Lernort, in dem junge Menschen ohne Druck erkennen können, was in ihnen steckt. Hier können sie sägen, löten und schweißen, programmieren und erleben, wie es sich anfühlt, etwas mit eigenen Händen zu schaffen. Hier entsteht Begeisterung und die ist der Anfang jeder beruflichen Entscheidung.

Fazit: Nachwuchsgewinnung beginnt nicht mit einem Ausbildungsplatzangebot, sondern mit einem Funken Neugier. Im weiteren Verlauf seines Handwerkerwortes sprach Andreas Köhler darüber hinaus die Verantwortung der Betriebe an. Auch die müssen sich bewegen und zeigen, dass der Handwerksbetrieb ein attraktiver Arbeitgeber mit klaren Entwicklungsmöglichkeiten ist –mit moderner Technik, mit echter Wertschätzung und einer Kultur, die junge Menschen willkommen heißt. „Der Nachwuchs von heute will eine Aufgabe, ein Team und eine Perspektive. Und genau das kann das Handwerk bieten – wenn wir es beispielsweise mittels der Offenen Werkstatt sichtbar machen. Sie zeigt uns, wie Nachwuchsgewinnung in der Zukunft aussehen kann. Wenn wir diese Ideen in die Betriebe tragen, den Jugendlichen Mut machen und ihnen Räume geben, dann wird das Handwerk auch den Nachwuchs finden, den es braucht“, betonte Andreas Köhler abschließend.

Kreishandwerksmeister Peter Liebe sprach in seiner Überleitung zum nächsten Redner
u. a. die Idee eines Freien Handwerkerjahres in Anlehnung an das Freiwillige Soziale Jahres an. Das Konzept sei in anderen Bundesländern bereits in der Erprobung. Des Weiteren zeigte er wenig Begeisterung für eine Konzentration der Berufsschulzentren. Dies wurde erst im Dezember 2025 von der IHK Dresden gefordert.

Dieses Thema griff auch der Sächsische Staatsminister für Kultus Conrad Clemens in seiner Ansprache auf. Er setze sich für eine Dezentralisierung des Bildungssystems ein. Er begrüßte das Konzept der Offenen Werkstatt und verwies auf einen weiteren möglichen Weg, der seitens der Kreishandwerkerschaft Südsachsen bereits gegangen wird – diese spreche aktiv schon die Grundschüler an.

Einig waren sich alle Redner beim Thema Wettbewerbsfähigkeit. So auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden Dr. Andreas Brzezinski, der sich für die Einladung zum Neujahrsempfang bedankte und in seinem Grußwort an die Anwesenden feststellte, dass Bildung eine Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit sei.

In seinem Schlusswort zitierte Kreishandwerksmeister Peter Liebe Henry Ford: Wettbewerbsfähigkeit beginnt nicht in den Fabrikhallen, sondern im Klassenzimmer.“ Er dankte dem Team der Kreishandwerkerschaft Region Meißen und des Burgkellers Meißen für die sehr gute Vorbereitung und lud alle zu weiteren Gesprächen bei einem gemeinsamen Essen ein.

(KHS)