Als Bauteilearchiv bezeichnet man eine Sammlung von Bauteilen und Materialien, die für verschiedene Zwecke verwendet werden können, wie z. B. Restaurierungen, architektonische Studien oder historische Forschungen. Die wesentlichsten Aspekte eines Bauteilearchivs sind das Sammeln von Bauteilen, das restauratorische Aufarbeiten, die Erstellung von Beschreibungen der Bauteile zu Material, Konstruktion und Beschaffenheit, die (digitale) Katalogisierung und die Veröffentlichung der umfassenden Daten und der daraus gesammelten Erkenntnisse (Lehre).
Das Bauteilearchiv dient verschiedenen Nutzergruppen, darunter Restauratoren und Denkmalpflegern, Architekten und Ingenieuren, Forschungsinstituten und Universitäten, Bauunternehmen und Handwerksbetrieben, öffentlichen Institutionen und Behörden so-wie Museen und Kulturerbe-Organisationen. Diese Gruppen benötigen Zugang zu historischen und speziellen Baumaterialien sowie technischen Informationen und digitalen Mo-dellen, um ihre Projekte effektiv planen und durchführen zu können. Durch die Bereitstellung gut dokumentierter Bauteile und umfassender technischer Unterstützung kann das Archiv zur Erhaltung, Restaurierung und innovativen Nutzung von Bauwerken beitragen.
Die Inno-Handwerk Region Meißen gGmbH richtet ein Bauteilearchiv mit dem Schwerpunkt Metallbeschläge mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Rittergut Riesa ein. Sie übernimmt eine um-fangreiche Sammlung aus Berlin. Diese Me-tallbeschläge-Sammlung wird wie folgt be-schrieben: „Es zeichnet sich immer mehr ein Trend zu Qualität und Anmut historischer Din-ge ab. Sie besitzen Charme und Authentizität und werden somit individuellen Bedürfnissen gerecht. Unser Sortiment umfasst originale Baubeschläge und einige Bauantiquitäten. Historische Originale sind jedoch keine Norm- und Massenindustriewaren. Sie befinden sich bei uns überwiegend im Originalzustand. Die alten Materialien sind nicht „nur“ schön, qualitätvoll und ästhetisch, sondern KULTURGUT. Sie legen Zeugnis ab von alter handwerklicher oder frühindustrieller Produktion und oftmals auch von damals herrschenden Produktionsbedingungen.“
Dieser Fundus wird nun gesichert, archiviert und katalogisiert. Im Weiterem organisiert die Inno-Handwerk gGmbH die Verwertung und entwickelt aus dem gesammelten Wissen ei-ne entsprechende Lehre.
Berufliche Bildung, verstanden als Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, so-wie die Wissenschaft und Forschung, also die systematische Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, können zukünftig einen wesentlichen Teil der Nutzung dieser Metallsammlung ausmachen.
Die Kreishandwerkerschaft Region Meißen unterstützt das Vorhaben insbesondere mit ihrer Einsatzstelle der Sächsischen Jugendbauhütte in Riesa. Außerdem beschäftigt sich die Kreishandwerkerschaft im Rahmen des durch das BMBF geförderten WIR-Programmes (Wandel durch Innovation in der Region) mit modernen Ansätzen für das Handwerk. Im Kern steht die Entwicklung innovativer Prozes-se und Technologien für die Gewinnung, Ent-wicklung und den nachhaltigen Einsatz von Fachkräften im Handwerk. Vor dem Hinter-grund der Bedeutung des Denkmalschutzes, der damit verbundenen Herausforderungen und der besonderen Rolle des Handwerks für eine erfolgreiche Altbausanierung ist es Ziel des Vorhabens, die Potenziale der Digi-talisierung (insbesondere der Robotik) für die Unterstützung des Handwerks in der Denk-malsanierung zu untersuchen. Der Kreishand-werkerschaft fällt insbesondere die Aufgabe zu, interessierte Handwerksunternehmen für den Einsatz von Robotik in der Altbausa-nierung zu finden. Die Vielschichtigkeit der Gewerke, beispielsweise Maler, Dachdecker, Tischler usw., ist dabei genauso wichtig zu betrachten wie die detaillierte Aufgabenstelle der Denkmalpflege im jeweiligen Gewerk. Eine hervorragende Symbiose bildet dabei die unmittelbare Nähe der Einsatzstelle der Sächsischen Jugendbauhütte im Rittergut und dem Bauteilearchiv in Riesa.
Die hier angedachte Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kreishandwerkerschaft mit ihrer Inno-Handwerk Region Meißen gGmbH hat ein enormes Potential und kann durch-aus Modellcharakter für den Bund sein. Die aus diesem geplanten Projekt entstehenden Synergien zwischen Innovation und Tradition, zwischen Wissenschaft und Handwerk und nicht zuletzt zwischen Jung und Alt schaffen weitere neue innovative Ansätze.
(Fotos und Text: KHS)