Politischer Austausch mit der Bundestagsabgeordneten Nora Seitz
Der Besuch der CDU-Bundestagsabgeordneten Nora Seitz in der Offenen Werkstatt Riesa am 8. April 2026 verdeutlichte eindrucksvoll die tiefe Kluft zwischen den politischen Zielsetzungen in Berlin und der handwerklichen Realität vor Ort. Im Gespräch mit Kreishandwerksmeister Peter Liebe und weiteren Branchenvertretern wurde deutlich, dass die anfängliche Aufbruchstimmung nach dem Regierungswechsel Anfang 2025 weitgehend verflogen ist. Peter Liebe berichtete von einem wachsenden Unmut unter den Bürgern, den er täglich in seiner Backstube spüre; die Frustration über eine vermeintlich ungerechte Verteilung staatlicher Mittel schlage sich zunehmend in einer Radikalisierung des Wahlverhaltens nieder. Besonders besorgt zeigten sich die Handwerker über die aktuelle Debatte um Abschiebungen, da sie in Geflüchteten eine unverzichtbare Ressource gegen den akuten Fachkräftemangel sehen und markige politische Parolen eher als Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität wahrnehmen.
In einem intensiven Austausch hinter verschlossenen Türen, der deutlich länger dauerte als ursprünglich geplant, brachten die Innungsmeister ihre konkreten Sorgen vor. Thomas Möbius, Chef der Bauinnung Riesa-Großenhain, kritisierte scharf, dass der vielbeschworene „Bauturbo“ in der Praxis nicht zünde und lediglich bürokratische Zuständigkeiten verschoben worden seien. Die Baubranche leidet zudem unter den massiv gestiegenen Öl- und Spritpreisen, die die Materialkosten weiter in die Höhe treiben, während Fördergelder aus dem Infrastrukturpaket oft nur zum Stopfen kommunaler Haushaltslöcher verwendet würden. Nora Seitz, die als gelernte Fachverkäuferin und ehemalige Leiterin einer Fleischerinnung über fundierte Branchenkenntnisse verfügt, signalisierte Verständnis und betonte, dass pauschale Lösungen wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale den spezifischen Problemen des Handwerks nicht gerecht würden.
Ein zentrales Anliegen des Treffens war die Sicherung der „Offenen Werkstatt“ in Riesa, deren Finanzierung Ende 2026 auszulaufen droht. Obwohl das Projekt, das Jugendliche durch innovative Formate für handwerkliche Berufe begeistert, bereits von der Landespolitik gelobt und auf weitere Standorte wie Großenhain und Meißen ausgeweitet wurde, fehlt bisher eine dauerhafte finanzielle Perspektive. Peter Liebe mahnte an, dass Lob allein nicht ausreiche und die bisherigen Erfolge bei der Berufsorientierung nicht umsonst gewesen sein dürfen. Nora Seitz versprach abschließend, sich in Berlin für den Erhalt des Projekts einzusetzen und den Dialog durch Besuche auf Arbeitsebene zu vertiefen. Dass eine praxisnahe Orientierung entscheidend ist, unterstrich sie mit einer persönlichen Anekdote: Ohne den eigenen Mut zur Korrektur wäre sie heute – entgegen ihrer persönlichen Neigung – im Gartenbau tätig, was die Notwendigkeit von Formaten wie der Offenen Werkstatt unterstreicht.
(KHS)

Die Anwesenden verfolgen aufmerksam den interessanten Redebeiträgen